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Die Enttäuschung


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Eine Formation, die nicht ist, was ihr Name zu versprechen scheint:

Die Enttäuschung

ist in Wirklichkeit ein Knaller erster Sahne: Die vier Berliner Musiker widmem ihre Arbeit sowohl großen Komponisten wie Thelonious Monk als auch den Schreibern aus der eigenen Reihe, Mahall und Dörner, die moderne und zeitgenössische Stile einbringen. Das besondere Interesse der Band gilt der mit Performance-Elementen durchsetzten Improvisation, die erst in Live-Konzerten richtig zum Tragen kommt.

Jan Roder, Jahrg. 68, zunächst Rockmusiker, dann langer Brasilienaufenthalt, Beschäftigung mit Cecil Taylor, Don Cherry u.ä., Wechsel zum Kontrabass. Seit 1995 gefragter Bassist in Berlin, Konzertaktivitäten im In- und Ausland, u.a. mit Alexander von Schlippenbach und Alan Praskin.

Axel Dörner, Jahrg. 64, studierte Klavier und Trompete an der Musikhochschule Köln (bei Malte Burba), lebt und arbeitet seit ´94 in Berlin: Neue Musik, improvisierte Musik, Jazz. Entwicklung einer außergewöhnlichen und persönlichen Instrumentaltechnik, Konzerttourneen in Europa und Japan, zahlreiche Schallplatten- und CD-Veröffentlichungen.

Uli Jenneßen, Jahrg. 64, studierte zunächst Sprachen und Philosophie, seit 1986 freischaffender Jazzschlagzeuger in Berlin, u.a. im Schorsch-Pfister-Trio, bei LAX, bei Alexander von Schlippenbach, Jörg Schröder sowie DIE ENTTÄUSCHUNG, mit denen er verschiedene Tonträger veröffentlichte.

Rudi Mahall studierte klassische Klarinette, seit 1989 Auftritte im gesamten Bundesgebiet mit Avantgardebands wie "Die Hartmann 8", "Der rote Bereich", "Die Konferenz", "POTOWATOMI", "Pro Susi", "STOL", daneben Auftritte auf wichtigen Festivals wie:Jazz Ost-West Nürnberg, New Jazz Festival Moers, JIM Festival München, später Tourneen durch Deutschland, Schweiz, Italien, Japan. Zusammenarbeit, Plattenaufnahmen, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen u.a. mit Conny Bauer, Aki Takase, Marty Cook, Paul Lovens, Paul Grabowsky, Ed Schuller, Alexander von Schlippenbach, Lee Konitz, Jerry Granelli. Mitwirkung an Theaterproduktionen und Performances, Video- und Rauminstallationen, u.a. mit dem Herzogenauracher Künstler Dieter K. Annaberger, dazu natürlich zahlreiche weitere Tonträgerveröffentlichungen.

DIE ENTTÄUSCHUNG feat. Alexander von Schlippenbach

Wenn es drangeht, MONK - DAS GESAMTWERK zu spielen, braucht DIE ENTTÄUSCHUNG natürlich noch einen entsprechend erstklassigen Pianisten. Gemeinsam mit dem Urgestein des deutschen Modern Jazz, Alexander von Schlippenbach, werden alle (!) Kompositionen des Klassikers Monk modern interpretiert, ein Unterfangen, das nur mit Mühe an einem Abend anzugehen ist, handelt es sich doch um ca. 65 Stücke. Werkgetreue Interpretationen, Verfremdungen und Weiterführungen werden dabei unkonventionell, virtuos und nicht zuletzt äußerst unterhaltsam ineinander verwoben. In einer Einzelveranstaltung ist sicher nur ein Schnelldurchlauf möglich, der seinen speziellen Reiz hat, oder eine gekürzte Fassung. Für eine echte Gesamtpräsentation sind zwei Abende nötig, phantastisch wird es, wenn sogar drei zur Verfügung stehen. (Das wäre doch gewiss eine gute Gelegenheit zur Kooperation mit anderen Veranstaltern. Und die Aufmerksamkeit der Medien ist sicher garantiert!)

"Die Enttäuschung arbeitet sich auf ihrem Debut ausschliesslich durch Thelonious Monks Kompositionen! Und war es nicht so, dass Monk das alte Problem, nämlich wie man von einem Ton/Segment zum nächsten kommen kann, ohne faule Kompromisse zu schließen, in seinen reduzierten, überaus würzigen Kompositionen (und (Improvisationen) exemplarisch gelöst hat? Richtig, und Die Enttäuschung schafft das Kunststück, Monk in aller Radikalität die Treue zu halten, in enger Tuchfühlung mit den Originalen zu bleiben und sie dennoch auf den Kopf zu stellen."

Felix Klopotek, SPEX

"... Sie erst machten die Monk-Kompositionen zu Musik, zu ihrer eigenen, zu eine Musik, die nicht naiv gefühlsselig tut, die unter Spannung steht, von der man nie weiss, wie sie sich weiterentwickeln wird, ob sie die Balladen im Kreischen von Rudi Mahalls Bassklarinette zermalmt, einen Blues in den eleganten Phrasierungen des Trompeters Axel Dörner auslotet, ob Schlagzeuger Uli Jennessen mit einem Gymnastikball den Swing beschwört oder das Ensemble es mit der Exposition eines zackigen Bebop-Themas bewenden lässt. Und Schlippenbach hielt mit sparsam gesetzten, dissonanzreichen Begleitakkorden die Musik in der Form, ohne seine eigene Spielkultur zu verleugnen. So geht es, so wird Musik lebendig, man glaubte fast, dass sich auf Monks Gesicht hinter der Bühne ein zufriedenes Lächeln festgesetzt hätte."

Die Welt, 30.01.99

"... Ob der enzyklopädische Anspruch, wirklich alle Werke Monks vorzustellen, voll und ganz erfüllt wurde, war schnell zweitrangig; hier zählte der anarchistische, ernst gemeinte Humor..."

Hamburger Abendblatt, Januar 99

Die Luft ist in der Schwebe zwischen Rauschen und Schönklang

Bei DER ENTTÄUSCHUNG entspinnt sich ein anderer Jazzprozess, der den Eingriff von Außen wieder in das Innen eines nunmehr neuen Standards hereinholt. Es ist dies ein Prozess der Vermittlung von Außen und Innen, der auf die individuelle Ebene zurückgreift, z.B. auf das Vokabular, das Axel Dörner dem Stream-of-Consciousness des Free Jazz wie auch der Tradition abgerungen hat: Die Luft ist in der Schwebe zwischen Rauschen und Schönklang. Diese Techniken sind Eingriffe in die Vorstellung, wie sich eine Trompete anzuhören hat, nämlich wohltemperiert und also bürgerlich. Bassklarinettist Rudi Mahall erprobte in der Zusammenarbeit mit den stark von der Noise-Musik beeinflussten Gruppen Stol oder Potawatomi einen anderen Umgang mit Prozessen der Improvisation: Wie verhält sich eine Bassklarinette zu lärmenden E-Gitarren und knisterndem Vinyl? Im Zusammenspiel mit den Heroen des modernen Jazz, Alex v. Schlippenbach, Han Bennink, Aki Takase, Lee Konitz, Sven-Ake Johansson, hat er einen ausgeprägten Sinn für Form, das Wissen um den richtigen Einsatz, entwickelt. Ein Formgespür, das sich freilich nur durch imprivisatorische Intuition entfalten kann. Nimmt man noch Schlagzeuger Ulrich Jenneßen hinzu, der mit der Arbeit an Rock und Hardcore beeinflussten Projekten ebenfalls Erfahrungen außerhalb des Jazz mitbringt, und Jan Roder, der eine akademische Ausbildung als Kontrabassist vorzuweisen hat, kommt man zur "Enttäuschung".

"DIE ENTTÄUSCHUNG" lässt sich allerdings nicht auf die Beiträge der einzelnen Musiker reduzieren. Das spricht für den Gruppensound und damit wiederum für die Musiker, deren individuelle Aktionen schließlich erst diesen irreduziblen Sound ermöglichen. Sie sind klug genug, die Kollektivität nicht zur Identität zur verfestigen, auch wenn sich Stücke, Zitate und der Umgang mit ihnen als originäre "Enttäuschung"-Einfälle identifizieren lassen. Es geht bei ihren Unternehmungen um Ausgangspunkte, nicht um Ziele (was auch meint, dass es nicht darum geht, zu wissen, wo, sondern wie es weitergeht). Nichts wäre ja einfacher, als das Zusammenspiel und seine Reproduzierbarkeit über Ergebnisse instrumentaltechnischer Licks resp. eingängige Standards zu definieren. Bloß wird somit Methode, z.B. Virtuosität, mit dem Ziel verwechselt. ... In diese Rituale klinkt sich "DIE ENTTÄUSCHUNG" ein, revitalisiert sie, macht Brüche, Schwierigkeiten des Übergangs von einem Segment zum andern deutlich. Die Musiker erarbeiten sich ein Verständnis von einem befreiten Jazz, der sich konkret zum vorgegebenen Material verhält. Nicht über das Destruieren von Regeln konstituiert sich ihre Musik. Vielmehr werden diese als willkürliche, also als gesetzte und nicht naturgemäße kenntlich gemacht. Man höre ihren Umgang mit den Thelonious Monk-Stücken "Trinkle Kinkle" oder "Thelonious" oder die von Axel Dörner komponierten Andeutungen "Murx" oder "Pfusch" (sic!), die sich zu ausschweifenden Improvisationsdiskursen umgekehrt proportional verhalten. Gleichzeitig erden sie ihre spezifischen Techniken in einem sehr jazz-mäßigen Sound: Tradition und Technik stützen sich gegenseitig und durchdringen sich. Das Kunststück dieser Aufnahmen bestand darin, nach allen Seiten abgesichert zu sein, ohne auftrumpfend selbstsicher zu klingen. Das setzt Millimeterarbeit voraus, die die Verhältnisse Innen-Außen, Europa-Amerika, Einzelner-Kollektiv haarscharf ungenau bestimmt. - Dass das Ganze abgehangen swingt, muss nicht näher erläutert werden.

Felix Klopotek (SPEX)

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